NOVEMBER

Die Gedanken sind frei

 

Sind die Gedanken noch frei
Wenn Google weiß
Wohin wir als nächstes wollen
Wen wir dort treffen werden
Und worüber wir mit ihm reden?

 

Sind die Gedanken noch frei
Wenn Alexa weiß
Was wir zu Abend essen werden
Und wann, und ob
Die Zwiebeln angebrannt sind?

 

Sind die Gedanken noch frei
Wenn unser Kühlschrank
die Einkaufsliste schreibt
Wir aber lieber
Marmelade statt Käse hätten?

 

Sind die Gedanken noch frei
Wenn unser Auto
Den kürzesten Weg kennt
Wir auf einem Umweg aber
Unser neues Lieblingscafé entdeckt hätten?

 

Sind die Gedanken noch frei
Wenn wir nur noch Dinge
zu sehen bekommen
Bei denen wir irgendwann einmal
„gefällt mir“ gedrückt haben?

 

Sind die Gedanken noch frei
Wenn unsere schlechte Bewertung
einfach gelöscht wird?

 

Sind die Gedanken noch frei
Wenn Algorithmen besser als unser Herz wissen
Welcher Partner zu uns passt?

 

Vielleicht sind die Gedanken erst
Beim nächsten Stromausfall
Wieder wirklich frei.
 


OKTOBER

Menschlichkeit 2.0

 

Der Fortschritt zeigt sich
Innovativ und bequem
Spart Geld und Zeit
Nützt vor allem dem System.
Er hat so seine Tücken
Verbirgt die schleichende Gefahr
Menschlichkeit bleibt auf der Strecke
Ohne Zweifel, offenbar.

 

Automaten spucken Scheine
Ohne ein Wort
Roboter pflegen Menschen
Bald an jedwedem Ort.
An der Supermarktkasse
Sitzt demnächst niemand mehr
Ein Lächeln zu finden
Fällt in Zukunft verdammt schwer.

 

Jede Neuerung, jede Technik
Entfernt uns von uns selbst
Rückschritt wäre Fortschritt
An dem die Menschheit nicht zerschellt.


SEPTEMBER

Es sitzt ein kleiner Frosch im Moos
Und denkt sich, „Hier ist gar nichts los!“
Drum hüpft er in des Nachbars Garten
Der Teich dort scheint auf ihn zu warten
Doch leider auch der graue Reiher
Der Frosch denkt noch, „O je, au weia!“
Schon hat der Vogel ihn im Schnabel
Braucht dafür nicht einmal ’ne Gabel.
Und die Moral von der Geschicht?
Dass Langeweil’ nicht tödlich ist.
Denn wär’ der Frosch im Moos geblieben
Wär’s öde, doch er nicht verschieden.


AUGUST

Ein starker Baum

 

Ein starker Baum

Steht aufrecht
Vom Stamm bis in die Krone

 

Kein Wind, kein Sturm
Bringt ihn ins Schwanken
Und wird ihn auch nicht biegen
Die Wurzeln tief
Wird er gewiss
Die Feuersbrunst besiegen

 

Ein starker Baum
Steht aufrecht
So komme, was da wolle.


JULI

Die alte Gitarre

 

Die alte Gitarre hat viele Länder gesehen
Hat im Hafen gespielt, in der Kneipe, im Stehen
Zwischen eiligen Menschen, in fast jeder Stadt
Fußgängerzonentristesse, landauf und landab.

 

Sie erzählt ihre Lieder, spielt von einer besseren Welt
Lässt Protestsongs erklingen, die sie für wichtig hält
Sie weiß nicht, ob sie damit die Menschen bewegt
Ob überhaupt jemand zuhört, die Botschaft versteht.

 

Doch das ist ihr nicht wichtig, sie tut es ohnehin
Lieder zu spielen war schon immer ihr Sinn.


JUNI

Ich möchte nicht

alle Sprachen sprechen,

so viel habe ich

nicht zu erzählen.

Doch möchte ich gerne

jede Sprache lernen,

um die Geschichten

der Welt zu verstehen.


MAI

Waldspaziergang

 

Ich träume neben dir her
Der Weg ist nicht wichtig,
Zielverloren, gedankenleer.

 

Tanz auf Wolken aus Sehnsucht
Vergessen Zeit und Raum,
Die Luft grüngefiltert,
Der Boden ein weicher Traum.

 

Ein Palast aus Himmelssäulen
Wurzelstark, mit Blätterdach
Umgibt mich sanft mit seinem Dasein
Traumhaft schön, doch bin ich wach.

 

In den Schätzen des Waldes
Ist der Mensch ein stiller Gast
Darf sich fühlen wie ein König,
Natur erleben, ohne Hast.


APRIL


MÄRZ

Du trägst den Winter im Namen

Trotzt der Kälte der Nacht
Des Jahres erste Sonnenstrahlen
Haben dich hervorgebracht.
Die Tage werden länger
Sonne wärmt das Herz
Schneeglöckchen, du Liebes
Machst uns frühlingsleicht den März.
 


FEBRUAR

Carpe Diem

 

Der Alltag häufig
Von Hektik geprägt
Meist presto statt andante,
Und dennoch oft zu spät.
Mal eben schnell noch
Nebenbei, Nebenher,
Die Gedanken schon im Später
Im Jetzt zu bleiben fällt schwer.
So fliegen wir häufig
Durch die Wochen, durch das Jahr
Dabei wäre es im Heute und Hier
Wunderbar.
Drum lehn ich mich zurück
Und genieße den Tag
Wer weiß, wann ich einen so schönen
Wieder erleben mag.

 


JANUAR

Rauhnächte

 

In diesigem Nebel
Verborgen, verhüllt
Eisige Kälte
Die das Land längst erfüllt

 

In buntem Gewande
Kommt das Braun jetzt daher
Seinem Ruf zu widerstehen
Fällt manch einem schwer

 

Zieht Euch warm an, die Mütze
Tief im Gesicht
Auf dass Euch die Kälte
der Rauhnacht nicht erwischt